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Google I/O 2018 - Sonne, Code und Innovation

Bericht von der Google I/O 2018
16.06.2018 - 11:00 von Karsten Planz

Seit der ersten Google I/O im Jahr 2008 verfolge ich das Event mit großer Faszination. Es war immer spannend zu sehen, welche neuen Innovationen Google vorstellt und welche neuen Entwickler-Tools und APIs auf der Konferenz von den Google Mitarbeitern gezeigt werden. Schon damals war es immer ein Traum von mir, einmal selbst an einer Google I/O teilnehmen zu dürfen. Dass ich 10 Jahre später tatsächlich nach Kalifornien fliege, um mit 7000 anderen Entwicklern zur großen Google Konferenz zu pilgern, verdanke ich meinem Job bei Bright Solutions, die mir diese Reise ermöglicht hat.

 

Tag 0: Badge Pickup  

Einen Tag vor dem offiziellen Beginn konnte man sich schon außerhalb des Shoreline Amphitheaters, wo die I/O dann stattfindet, sein Welcome-Paket inklusive Badge abholen. Was direkt auffällt: Das Event ist perfekt durchorganisiert. Es wurde an alles gedacht und es sind immer genügend Mitarbeiter da. Nachdem der Barcode, den man per Email bekommen hatte, gescannt wurde, bekam man das Welcome-Paket, bestehend aus einem Sport-Beutel, Sonnenbrille, Sonnencreme, T-Shirt und Lageplan sowie den NFC-fähigen Badge.  

  


Das Wetter und die vorhandene Sonnencreme luden dann noch zu einem kleinen Spaziergang an der Shoreline ein, bei dem ich mich mental schon mal auf das anstehende Mega-Ereignis vorbereiten konnte.

 

Tag 1: Keynote(s) und erste Sessions

 

Mit dem Shuttle-Bus der Linie "Seagreen" ging es dann morgens los zum Amphitheater. Nach einem gesunden Frühstück in der Sonne auf den Grünflächen des Geländes stand als erstes die berühmte Keynote auf dem Programm. Eingestimmt wurde das Publikum zuvor mit Musik, die zum Teil von einer künstlichen Intelligenz erzeugt wurde. Dann kommt Google CEO Sundar Pichai auf die Bühne. 7000 Entwickler spenden tosenden Applaus. Für mich und viele andere ist das ein besonderer Moment, den wir bisher nur aus dem Live Stream kennen. Gänsehaut.

 

Das Nerd-Herz schlägt höher

Die Keynote selbst besteht aus Rückblick, emotionalen Geschichten, neuen Innovationen und natürlich der Zukunft. Die Themen sind tatsächlich eher auf den Endnutzer ausgerichtet und lassen weniger das Entwickler-Herz, dafür umso mehr das Nerd-Herz höher schlagen. Es ging ja schon durch alle Medien, aber an der Stelle muss man nochmal die beeindruckende Funktion "Google Duplex" erwähnen. Duplex nutzt das gesamte Know-how von Google in den Bereichen Spracherkennung, Sprachsynthese, Künstliche Intelligenz und Natural Language Processing, um dem Google Assistant zu ermöglichen, vollkommen autonom per Telefon z.B. einen Friseurtermin auszumachen. Die beiden aufgezeichneten Gespräche des Assistant waren einfach unglaublich. Die Person am anderen Ende hat nichts geahnt und der Assistant ist auch mit komplexen Gesprächs-Situationen souverän umgegangen. Demo: https://youtu.be/ogfYd705cRs?t=35m9s

In der nachfolgenden Developer Keynote ging es dann um alle Neuigkeiten für Entwickler. Die Themen waren hauptsächlich Android, Google Assistant, Web, Material Design, künstliche Intelligenz, Augmented Reality und Firebase.

 

Meine Highlights von Tag 1

Zu meinen persönlichen Highlights zählt zum einen Android Jetpack mit überarbeitetem Testing-Framework. Außerdem die neuste Version von Material Design, welche wesentlich mehr Flexibilität erlaubt, was das Anpassen der UI-Komponenten betrifft. Damit reagierte man auf die Kritik, dass Material Apps sich alle sehr ähnlich sehen und einzelne Apps weniger individuell gestaltet werden können.

Ein weiteres Highlight für mich war die Vorstellung von Firebase ML Kit. Damit bietet man App-Entwicklern einfache Schnittstellen, um Machine Learning in die eigenen Apps zu integrieren. Man kann mit bestehenden Modellen entweder in der Cloud oder aber direkt auf dem Gerät arbeiten. Außerdem kann man auch seine eigenen Tensorflow Lite Modelle nutzen, was dem Ganzen dann keine Grenzen mehr setzt.

Als letztes möchte ich noch das Update von ARCore nennen, dem Cross-Platform Augmented Reality Framework von Google. Mit dem Update bietet man nun App-Entwicklern einfache Schnittstellen, um mit 3D-Daten zu arbeiten, sodass man nun nicht mehr unbedingt mit Unity oder dem NDK arbeiten muss, sondern direkt in Java oder Kotlin mit 3D-Objekten arbeiten kann. Außerdem wurde das Konzept der Cloud Anchors vorgestellt. Diese faszinierende Technik ermöglicht es, dass mehrere Nutzer gleichzeitig Objekte im Raum platzieren können und jeder auch wirklich diese Objekte sieht und nicht nur seine eigenen. Das wird ermöglicht, indem Google die von den Kameras aufgezeichneten Bilder der beteiligten Nutzer in Echtzeit in der Cloud analysiert und vergleicht, um die Punkte im Raum aus verschiedenen Blickwinkeln zu "matchen".


Nach der Developer Keynote und nach einer leckeren Lunch-Box ging es dann direkt weiter mit den ersten Sessions. Ich hatte mir am ersten Tag Sessions zu Material Design, Google Assistant bzw. DialogFlow und Android angeschaut. Das tolle dabei war für mich der Kontakt mit anderen Entwicklern und mit den Google Mitarbeitern und generell die ganze Atmosphäre, der "Silicon-Valley-Spirit". Ich habe viele unterschiedliche Entwickler aus der ganzen Welt getroffen, mit ihnen über jegliche Themen gesprochen, Kicker gespielt oder einfach nur die zahlreichen Stände von Google erkundet. Das ist bei diesem Event wirklich einzigartig. Wann bekommt man sonst die Gelegenheit, mit so vielen Entwicklern oder direkt mit den Google-Mitarbeiten zu sprechen?

 

Tag 2 & 3: Sessions, Office Hours, Codelabs und Konzert

 

  

An den folgenden Tagen ging es für mich dann natürlich weiter mit zahlreichen Sessions zu Themen wie Flutter, Tensorflow, Augmented Reality oder IoT mit Android Things. Zwischendurch habe ich mir dann auch mal eine Auszeit genommen, mich an einem netten Plätzchen niedergelassen und die ganzen neuen Eindrücke auf mich wirken lassen. Ich habe dann einfach mal angefangen mit den neuen Möglichkeiten von Google rumzuexperimentieren, z.B. über die angebotenen Codelabs. Dabei kann man über ein Online Tutorial in bestimmte Themen einsteigen und ein erstes Beispiel implementieren. Das habe ich während der I/O mit DialogFlow (Google Assistant), Flutter und ARCore einfach mal gemacht. Das hat wirklich Spaß gemacht, nicht nur wegen der tollen Atmosphäre um einen herum. Die Beispiele haben gezeigt, wie schnell man sich eine eigene Google Assistant Action oder eine Cross-Plattform Flutter App mit schickem Material Design und flüssigen Animationen bauen kann. Mit am beeindruckendsten fand ich, wie einfach man eine Augmented Reality App zusammenbauen kann, bei der man ein beliebiges 3D-Objekt, wie z.B. ein 3D Bright Solutions Logo, im Raum platzieren kann.

 

Mein direkter Draht zu Google

Es gibt auf der I/O ein Format, für welches es sich alleine schon absolut lohnt, teilzunehmen: die Office Hours. Sie ermöglichen es jedem Entwickler zu bestimmten Themen Fragen direkt an die Google Mitarbeiter zu stellen. Das ist unglaublich hilfreich und eine Gelegenheit, die man sonst einfach nicht hat. Mir hat es bei den Codelabs geholfen, aber auch bei allgemeinen Themen, zu denen ich spezielle Fragen hatte. Ich hatte z.B. ein paar kleinere Probleme mit Flutter und ARCore. Ich bin also zu den Office Hours der jeweiligen Themen gegangen und konnte dann direkt mit Google Entwicklern sprechen, die diese Frameworks entwickeln. Die konnten mir dann entweder weiterhelfen oder haben Feedback direkt intern weitergegeben. Das war für mich unglaublich wertvoll. Auch zum Thema automatisierte Tests unter Android hatte ich ein paar Fragen und konnte dann direkt mit dem Mitarbeiter sprechen, der zuvor die Session über das aktualisierte Testing-Framework von Android Jetpack gehalten hat. Wir haben wirklich lange über verschiedene Themen gesprochen, mit denen wir uns bei Bright Solutions auseinandersetzen oder wo ich einfach mal nach die Google Best Practices wissen wollte. Das hat mir einen seltenen Blick hinter die Kulissen des Mega-Konzerns gegeben. Selbst als die Zeit des Slots vorbei war, hat sich der Mitarbeiter mit uns noch woanders hingesetzt und weiterdiskutiert. Wirklich cool, wie offen und locker das Ganze von statten ging!

 

  

Auch eine tolle Erfahrung war es, bei einem Meetup über Innovation und Makerspaces dabei zu sein. Da hat der Verantwortliche der Google-eigenen Makerspaces aus dem Nähkästchen geplaudert und man konnte ihn dazu löchern, wie das bei Google gehandhabt wird und wie man Innovation im eigenen Unternehmen "boosten" kann.

Am Abend des zweiten Tages gab es dann noch ein weiteres Highlight, dieses Mal hat es allerdings nichts mit künstlicher Intelligenz, Machine Learning oder App-Entwicklung zu tun. Google hat keine Kosten und Mühen gescheut und auf der Bühne im Amphitheater ein exklusives Konzert für alle Teilnehmer organisiert. Der Musikstil passte gut zum Event, es spielten "Phantogram", ein Elektro-Rock Duo aus New York sowie das Electronica-Duo "Justice" aus Frankreich. Vor allem Justice hat ein unfassbar gute Performance mit toller Light-Show hingelegt, ich bin seitdem großer Justice-Fan. Die Show war einfach nur Hammer!

  


Fazit und Ausblick

Abschließend muss ich sagen, dass die Google I/O wirklich zu den spannendsten und aufregendsten Erfahrungen zählt, die ich je gemacht habe! Besonders gefallen haben mir natürlich die vielen neuen Entwickler-Tools und Innovationen von Google. Aber auch die ganze Atmosphäre und die Stimmung. Ich habe mich dort einfach sehr wohl gefühlt und es hat mich extrem motiviert, innovative Themen auszuprobieren und bei Bright Solutions voranzubringen. Ich kann wirklich nur jedem, der in der IT-Branche arbeitet und den neue, innovative Technik interessiert, raten, bei solchen Events teilzunehmen. Sei es der lokale Entwickler-Stammtisch, ein Webmontag, ein Drupal Camp oder eine große Konferenz wie die Google I/O: Geht hin, macht mit, teilt eure Erlebnisse und baut coole Dinge!

Über die einzelnen Themen, mit denen ich mich tiefer beschäftigt habe und wofür ich auch kleine Demos gebaut habe, werde ich in weiteren Blogposts berichten. Stay tuned!

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